Porträt + Selfie= Superselfie…

…war der Titel des ersten halbtägigen Ferienworkshops den ich als Auftakt der pädagogischen Zusammenarbeit zwischen den Technischen Sammlungen Dresden und dem Forum für zeitgenössische Fotografie organisierte. Zehn Schüler im Alter von 12-14 Jahren kamen in den ehrwürdigen Ernemannturm um das kulturelle Phänomen Selfie in die eigenen Hände zu nehmen. Mit Jeanette stand mir eine erfahrene Co-Referentin zur Seite, die es immer wieder schaffte die von mir geplanten und vermittelten Inhalte auf die Teilnehmergruppe abzustimmen. Die Teilnehmer hatten bislang keine Fotokurse besucht und brachten für die Aufnahmen überwiegend ihre Smartphones mit. In der ersten Stunde stand das Thema (Selbst-)Porträt mit Schwerpunkt auf Gestaltung und Wirkung im Mittelpunkt. In der zweiten Stunde beschäftigten wir uns mit den optischen Prinzipien der fotografischen Aufnahme und der Nutzung dieser Prinzipien in der Porträtfotografie. Im abschließenden praktischen Teil entstanden Einzel- und Gruppenporträts der Teilnehmer, die jeder als Ausdruck auf Fotokarton im Format 15x20cm mit nach Hause nehmen konnte. Die vielfältigen Möglichkeiten in der Museumspädagogik der TSD geben hier Raum für weitere Vertiefungen des Kurses. Insgesamt war ich zufrieden mit diesem Auftakt und hoffe, dass die entstandenen Fotografien den Schülern noch lange Inspiration sind und die neuen Kompetenzen Lust auf weitere fotografische Projekte machen.

Der fotografische Februar

Der Leiter der TSD Roland Schwarz spricht zur Eröffnung

Der Leiter der TSD Roland Schwarz spricht zur Eröffnung

Vorgestern eröffnet in den Technischen Sammlungen Dresden die sehenswerte Ausstellung „Sonne auf Papier“, die sich der Wiederentdeckung alter fotografischer Techniken in der zeitgenössischen bildenden Kunst widmet. Das Dresdner Forum für zeitgenössische Fotografie hält dort am 26.02. dort seinen 9. fotografischen Salon ab und ab März gibt es Workshops zu verschiedenen klassischen Bildverfahren. Am gleichen Ort werde ich am 16.02. erstmals den Jugendworkshop: Porträt+ Selfie= Superselfie anbieten, worauf ich sehr gespannt bin.

Dieser Kurs beginnt mit den ästhetischen Grundlagen des (Selbst)Porträts und endet mit dem Wissen um aktuelle Trends 2017 und der Erarbeitung einer individuellen Bildsprache unter Ausnutzung der technischen Möglichkeiten. Dabei werden Verbreitungswege und Wirkungen kritisch diskutiert.

Portrait, dass ist das Stichwort für meine abschließende Empfehlung. Nach dem Auftakt im vergangen Jahr werden ab 02.03. erneut aktuelle Positionen der Porträtfotografie im Festspielhaus Hellerau und weiteren Galerien der Stadt gezeigt.

4 Nahseher in Dresden

Der neue Nahseher 3.0

Der neue Nahseher 3.0 (Album+MiniDisc)

Mit dem Ende der Schlafwagenära bei der Deutschen Bahn am vergangenen Wochenende habe ich nun den 3. Nahseher fertig gestellt. TRANSEUROPEEXPRESS kombiniert die Fotos einer Schlafwagenreise (NIKON F3 / TRI-X / HP5 / Belichtet ohne Zusatzlicht  und Ausbelichtet in voller Negativgröße ohne Beschnitt auf FOMASPEED vario) mit einer 20 minütigen Tondokumentation auf MiniDisc (dem letzten Tonformat, welches sich diskret ohne Computer schneiden lässt). Entstanden ist ein Album mit 40 Prints (20×30 cm) welches mit Kopfhören die Reise erlebbar macht. Bei ca. 30 Sekunden Betrachtungszeit pro Bild hat man genügend Ruhe, die einzelnen Details der Bilder bis zum letzten Silberkorn zu entdecken und auf sich wirken zu lassen. Öffentliche Präsentationen der Arbeit werde ich hier noch bekannt geben!

Zum Abschluss noch 3 Fotoaustellungsempfehlungen in Dresden:

  1. voll analog: Dabei gewesen – Fotografien aus der DDR-Zeit der ASA Gruppe Fotografie (Frank Höhler, Thomas Kleber, Georg Krause Jürgen Matschie) im Einkaufzentrum am Albertplatz
  2. Digital aber immer im Diskurs mit den bekannten Arbeiten ihres Manns: Die Selbständigen von Christine Starke im Raskolnikow, ihrem Atelier und weiteren Orten in der Dresdner Neustadt
  3. spannende Hybidarbeiten:  Aleksandra Śmigielska: Photographie zeigt zwei Serien der jungen polnischen Fotografin mit einer innovativen Sichtweise erstmals im Ausland im Rahmen von parablau in der blauenFABRIK.

PS: Alle genannten Ausstellungen sind Nahseher, da man hingehen muss und diese nicht über elektronische Abbilder im Netz wahrnehmen kann!

TRANSEUROPE Budapest Keleti im Vollmond mit EN Metropol (30x40 cm auf Kentmare Lustre Baryt)

Budapest Keleti im Vollmond mit EN Metropol (30×40 cm auf Kentmare Lustre Baryt)

Getestet: Cinestill 800Tungsten Film

Fotosession mit calendula auf cinestill in Leipzig 11/2016

Fotosession mit calendula auf cinestill in Leipzig 11/2016

Er lag schon einige Zeit bei mir im Kühlschrank und jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit diesen neuen Film über den schon recht viel geschrieben wurde selbst zu testen. Die Erwartungen waren groß, so soll er erstmals das 35mm Aufnahmematerial der Hollywoodstudios in eine handelsübliche Kleinbildpatrone bringen und damit:

  • Neueste Emulsionstechnologie (Hohe Empfindlichkeit & kleines Korn)
  • Einen echten Kunstlichtfilm mit ISO 800
  • Optimierte Eigenschaften für die Hybridverarbeitung (=Negativscan+ Digitale Endverarbeitung)

Dies machte mich sehr gespannt. In zwei Shootings in gemischten bis herausfordernden Lichtverhältnissen konnte der Film in einer Nikon F3 mit Nikkor 1,4/50 und SIGMA 3,5/14 zeigen ob er die hohen Erwartungen erfüllt. Dabei habe ich die mittenbetonte Messung der F3 nicht alterniert und den Film im Fachlabor FotoGörner in Dresden als C41 verarbeiten lassen. Die Bewertung beruhen auf Standardscans und 10×15 Prints. Für eine vertiefte Betrachtung werde ich noch einmal optische Abzüge sowie optimierte Scans herstellen.

Die Ergebnisse:

  1. Fotografieren mit dem Wissen, Kinofilm zu belichten macht großen Spass!
  2. Es wird durch LED und Energiesparlampen immer schwerer, echte Glühlichtbeleuchtung 3200K zu finden!
  3. Schärfe und Überblendverhalten sind beindruckend
  4. ISO500 ist wohl geeigneter die beworbene Eigenschaft der durchgezeichneten Schatten im Standard C41 Prozess wirklich zu erreichen.

    Vernissage von Michael Kral im Secret Desire in Dresden auf cinestill 11/2016

    Vernissage von Michael Kral im Secret Desire in Dresden auf cinestill 11/2016

Fotoschauen in Dresden, München und Wien

parr2

Nur noch bis 02.11. zu sehen: MAGNUM Fotograf Martin Parr in Wien

Man kann nicht behaupten, dass die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Fotografie in den großen und kleinen Galerien derzeit wenig Aufmerksamkeit bekommt. Hier meine aktuellen Empfehlungen:

LAST MINUTE: Wien, 03. Juni – 02. November 2016:
Martin Parr – A Photographic Journey
KUNST HAUS WIEN

Dresden, 07.Oktober 2016 – 18. November 2016:
„Berührungen“ – Werke von Jindřich Štreit und Svatopluk Klesnil.
blaueFABRIK

München,   ‐  FOTOGRAFIE HEUTE: DISTANT REALITIES
Pinakothek der Moderne 

und last but not least noch eine Überraschung in München, 29.09.2016 – 07.01.2017:

ALEXA MEADE: PREMIERES
Galerie INGO SEUFERT

Fotografie? Malerei? Performance?

 

Monat der Fotografie – Nachlese

Jetzt ist der Europäische Monat der Fotografie in Berlin Geschichte… aber ich will es nicht versäumen, hier einige Eindrücke zum Stand der Dinge des Mediums zu teilen. Die Flut der Ausstellungen schien schier unendlich! Daher hier exemplarisch Gedanken zu drei Ausstellungen die auch nach dem Ende des MdF weiterhin zu sehen sind:

  1. Memory Lab im Gropius Bau (noch bis 15.12.)
    sehenswert um einen Einstieg in das gesamte Spektrum der zeitgenössischen Fotografie zu bekommen. Mit dem etwas überladen Titel Sentimentalität werden Arbeiten in allen erdenklichen Techniken gezeigt die in beeindruckender Manier präsentiert werden.
  2. Bonkers – Bettina Rheims bei camerawork (noch bis 29.11.)
    Die Bildsprache von Bettina Rheims faszinierte mich seit den 90ern, wo ich ihren Bildband Cambre Close geschenkt bekam. Opulente Farbigkeit kombiniert mit perfektem Posing, welches trotzdem leicht daher kommt, geben den Bildern einen hohen Wiedererkennungs- und Schauwert. Bei den 150x170cm großen Abzügen konnte man sehr nah herangehen und ich vermochte nicht mehr zu sagen ob es sich um einen Mittelformatabzug vom Dia handelte (welches das bislang von der Künstlerin bevorzugte Medium war) oder doch ein inzwischen komplett digital erzeugtes Bild.
  3. so oder so – Klasse Marc Volk in neue Schule für Fotografie (noch bis 30.11.)
    Abschlussarbeiten von Fotoschulen sind immer wieder Indikatoren dafür, wo die Reise hin geht. Ein private Fotoschule ist da noch einmal besonders spannend weil die Absolventen im Gegensatz zu denen der Akademien schon das Ziel haben mit Fotografie klar Geld zu verdienen … und dazu ist die Präsentation genau so wichtig wie eine individuelle Bildsprache die trotzdem viele (potenzielle) Kunden erreicht. Die gezeigten Arbeiten sind alle technisch perfekt… aber somit auch etwas steril…
zodiak

Der mir unverständlichste Kunstankauf der Nationalgalerie … das Schwarzweißfoto eines russischen Mittelformatobjektivs in klassischer Produktfotomanier!

… vielleicht war da die Mantra des im Hamburger Bahnhof ausgiebig gezeigten Joseph Beuys wichtig: Dass auch Kunstwerke sich nach der Fertigstellung durch den Künstler weiter entwickeln und Verändern … dies ist bei chemiebasierter Fotografie auf jeden Fall gegeben. Beim Datensatz einer digitalen Fotografie lassen sich solche Vorgänge nur mit weiteren Algorithmen inszenieren.