>Brücke< Projekt 2020

Das Frühjahr 2020 war geprägt vom Hinterfragen vieler Werte und Beschäftigungen sowie einem allgemeinen Innehalten. Dabei wurde der Bewegungsradius kleiner und auch ich begann mich mit meiner näheren Umgebung zu beschäftigen. In Mittagspausen fuhr ich viel Rennrad und gelangte dann mehr oder weniger zwangsläufig vom Dresdner Norden in die Teichlandschaft von Moritzburg. Sicher, das gleichnamige Schloss kennt jeder (Drei Haselnüsse für Aschenbrödel), auch der Leuchtturm am Bärwalder See war schon vor 5 Jahren mal Kulisse einer Infrarotfotosession. In meinem Kopf sind dann noch die Bilder der Künstlergruppe Brücke, die mir in einem Buch im Elternhaus erstmals und dann in den letzten 30 Jahren in den Museen der Welt immer wieder begegneten und Bezug auf die Gegend nehmen.

…dieser Text ist der Einleitung meines 2021 erscheinenden Fotobuchs entnommen. Schon jetzt verfügbar ist der Wandkalender120 Jahre Kunst und freies Denken an den Moritzburger Teichen” (25 €; 21x21cm; Digitaldruck; Auflage 50), den ich komplett mit der Rolleicord meiner Großmutter aufgenommen habe. Die folgenden Filme kamen zum Einsatz:
ein Ilford HP5+ für die Reminiszensen an die Brückebilder und
ein KODAK PORTRA 160 für die Bilder aus Bad Sonnenland

Im Laufe des Sommers entstanden weitere Bilder auf Kleinbildfilm und Infrarotaufnahmen mit der SIGMA SD 14 die dann in Buch und Ausstellung zu sehen sein werden.

Infrarotaufnahme mit Schautafel des Brückewegs und Stehpaddlern (2020)

26.09.20 Die lange Nacht des DIA Positivs

Bericht:
Es war ein Abend, der das Medium Dia in allen Facetten feierte. Auf einer zentralen Bildwand verzauberten wechselnde Shows. Es wurde über das Medium diskutiert und ungesehene Schätze kamen zum Licht. Diafotografie war bis zur Jahrtausendwende das Maß der Dinge, wenn es in der Fotografie um die Abbildung feinster Details in höchster Dynamik ging. Es war ein erhebendes Gefühl, wenn der Raum abgedunkelt wurde und Bilder vor einem großen Publikum ihre Wirkung entfalten konnten. Kein elektronisches Medium konnte zu dieser Zeit eine solche Wirkung entfalten.
Das Programm:
Uwe Reese: Libyen (Multimediaüberblendshow)
– Georg Knobloch: Dresdner Zwielichtecken (Langzeitprojekt 2010-2020)
– Stephan Hein: Latvia 2016 (Schwarzweiß Dias)
– Günter Starke: Bunte Republik Neustadt 1995
Robert Ludewig, Anette Nickel, Jan Oelker: Found Photography in Kleinbild und Mittelformat.
conny & georg: Chillloutsession mit Tonband und Analogvisuals

Das Tonband passt wunderbar zum Kodak E100 (Foto: Günter Starke)

Ankündigung und Einladung: Zum diesjährigen Neustadt Art Festival lade ich am 26.09. zur langen Nacht des DIA Positivs ins FOTOFORUM ein. In der heute dort startenden Ausstellung Taken spielen DIAS schon eine

Rollei Twin

herausragende Rolle, welche an diesem Abend noch einmal besonders betont werden und möglichst viele Aspekte des Mediums erlebbar machen soll. Dafür gibt es zwischen 19 und 23 Uhr 4-5 45 minütige Zeitfenster die gefüllt werden wollen. Schickt mir Eure Idee bis zum 19.09. und ich werde diese zu einem spannenden Programm zusammenstellen! Vor Ort wird dann ein Überblendprojektor und ein Mittelformatprojektor verfügbar sein… und alles, was Ihr noch an Technik ergänzt!

Fotos zum Buch

Im November erscheint ein persönliches Buch zur Besiedlungsgeschichte eines speziellen Teils Nordböhmens. Der Autor bat mich, den Weg vorab schon einmal fotografisch zu bereisen.

Neben Bildern fürs Buch entstand eine Serie von 360 Grad Aufnahmen, die den Weg erlebbar machen sollen und auch dem Leser später als Onlinereferenz für die beschriebenen Orte zur Verfügung stehen werden. Neben der Website zum Buch werden die Bilder auch bei google Street View eingebunden und erreichen damit eine weltweites Publikum. Überrascht war ich von der Reichweite solcher Bilder… so hatten meine Testaufnahmen aus Dresden und dem Erzgebirge 5000 bzw. 7000 Ansichten binnen eines Monats erreicht.

ComeIN-LookOUT verlängert!

Seit ich Christian Hucks Essay Digitalschatten gelesen habe und mit dem Herausgeber des Sicht Fotomagazins sprach verändert sich mein Blick auf das analoge Bild auf Papier als Resultat fotografischen Bemühens. Erst wenn es diesen Status erreicht hat bekommt es seine echte Größe! Im FOTOFORUM wurde nun die Sommerausstellung mit Fotografischen Arbeiten aus der HfbK Dresden verlängert und kann nun noch bis Mitte August immer Sonnabend von 14-18 Uhr besichtigt werden. Damit man weiß, wo man hin geht, ohne zuviel vom echten Inhalte Preis zu geben hier eine virtuelle Tour durch die Ausstellung. Solche 360 Grad Bilder sind in meinem Verständnis eben gerade keine Fotografie.

…letzter Feinschliff = wie der Fotografie die Mystik abhanden kommt

Polaroid Original voller Unwegbarkeiten vom Fotoworkshop 2020

Zum Abschluss der Ausstellung #NAKED verwandelte sich ein Teil der blauen FABRIK in ein fotografisches Experimentierfeld. Im mobilen Fotostudio und der spannenden Umgebung haben Gäste verschiedene Techniken der Lichtbildnerei erprobt und in eigenen Projekten umgesetzt. An den Ergebnissen, insbesondere bei den Sofortbildern (Fuji FP100 und Polaroid Originals), erkannten viele Besucher wieder, oder zum ersten Mal, welche Unwegbarkeiten, Risiken und Überraschungen im fotochemischen Prozess liegen und welch rudimentäre Mittel der Ergebniskontrolle bis vor zwanzig Jahren selbst den aufwändigsten kommerziellen Fotoproduktionen zur Verfügung standen. Den zweiten bangen- oder vorfreude- Moment erleben jetzt gerade diejenigen Teilnehmer, die mit der Kamera einen Film im Studio oder Garten belichteten und nun auf die entwickelten Bilder warten. Stimmen Schärfe und Belichtung? Wie habe ich das Licht gesetzt? Habe ich den richtigen Tiefenschärfebereich für meine Bildaussage gewählt? Funktioniert mein Bildausschnitt und Bildaufbau der 3D Realität auch auf dem zweidimensionalen Papierbild? Schafft es die Filmemulsion Farbigkeit und Dynamik meines Motivs nach meinen Erwartungen abzubilden? Diese Antworten gibt es erst, wenn der Film in einigen Tagen aus dem Labor kommt.

Doch sind es nicht genau diese Gefühle (und eintretenden Überraschungen), die uns als Menschen immer wieder faszinieren und Antreiben weiterzumachen? Mit der durch die digitale Spiegelreflexkamera entstanden Möglichkeiten der Sofortkontrolle ohne Verschwendung physischer Ressourcen wurde die Lernkurve bei Bildgestaltung und Beleuchtungswahl ziemlich steil … Mensch bekommt mit überschaubarem Aufwand einfach “gute Bilder” und kann bei Bedarf nachjustieren und weiß nach dem Aufnehmen der Bilder bereits, ob die Idee als Bild funktioniert. …Mensch kann sich sofort ins nächste Abenteuer stürzen ohne Gefühle auszukosten.

Die in modernen Handys verbaute KI beschleunigt diesen Ablauf noch mal weiter und zwar in zwei Dimensionen:

1. Die Bilder durchlaufen auf dem Weg von der, durch den Sensor aufgenommenen, Matrix von farbigen Helligkeitspunkten komplexe Bildberarbeitungsprozesse (HDR / Scharfzeichnen / Motiverkennung / Texturoptimierung ) zum auf dem Display angezeigten Bild. Mein Telefon benötigt hierfür einige Sekunden, zeigt dabei auf dem Bildschirm …letzter Feinschliff und präsentiert ein nach tradierten Bewertungsmethoden perfektes Bild … aber will ich das?
2. Weil das Bild so “schön geworden” ist kann ich es seit einigen Jahren auch insta(nd) direkt vom Gerät aus in die kleine (Familien-/Freundes)welt oder gleich global verteilen.

Die zweite Phase des fotografischen Prozesses (Labor) wo sich entscheidet auf welchen Materialien ein Bild ausbelichtet und in welcher Form es wie und wo präsentiert wird, kann dann nur noch einen untergeordnete Rolle spielen da alle das Motiv nun schon kennen und durch die Konfrontation in einem Buch oder in einer Ausstellung nicht mehr überrascht werden können. Dass der Wert des Mediums sich dadurch verändert kann ich nur für mich behaupten und erfreue mich weiter an der Komplexität klassischer Lichtbildnerei und deren Präsentation an Galeriewänden, bei Diashows und in Fotobüchern.

Hier stimmt irgendwas mit der Andruckrolle links nicht! Ist dies nun noch ein spannendes Foto?

#NAKED Ausstellung in der blauenFABRIK

Am vergangenen Freitag eröffnete bei parablau die diesjährige Gemeinschafts-Akt-Ausstellung von PORTRAITS, dem FOTOFORUM und STR(i)K(i)NG in den Ausstellungsräumen der Blauen Fabrik (Eisenbahnstr.1, 01097 DD). Erneut durfte ich die Gesamtkonzeption übernehmen und somit auch den Spagat zwischen den 5 (+6) verschiedenen Positionen aushalten, was wieder viel Freude bereitete. Wie im vergangenen Jahr werden im Projektraum Arbeiten von Künstlerinnen aus dem PORTRAITS Wettbewerb gezeigt. Unter dem Hashtag NAKED kommen hier zwei Serien zur Ausstellung, deren Aktfotos nicht als Ziel sondern als Resultat einer Beschäftigung mit der Thematik Körperlichkeit entstanden, wie Martin Morgenstern ausführte. Charlotte Ernst schreibt über Ihr Projekt:

Der Weg des Qhapac Ñan (Mexiko 2019) kann als tiefgreifende ethnografische Studie verstanden werden, die die rituellen Heilprozesse der New Age Generation mit dem Peyote-Kaktus erforscht. Das Projekt entstand im Kontext einer dreimonatigen Pilgerfahrt durch die  Wirikuta Wüste im Nordwesten Mexikos. Hier ist der psychoaktive Kaktus beheimatet, welcher seit Jahrtausenden vom Stamm der Wixárika-Indigenen als heilige Medizin konsumiert wird. Die Bilder – zum großen Teil weibliche Aktfotografien – zeigen sowohl Momente der Begegnung als auch Augenblicke der Abgeschiedenheit. Sie hinterfragen in teilhabender Beobachtung die vorherrschenden sozialen Konventionen und Anschauungen der westlichen Mainstream-Gesellschaft, die noch immer fruchtbaren Grund für Strukturen der Ungleichheit und Diskriminierung bieten. Durch die Verletzlichkeit des nackten menschlichen Körpers wird der Zwiespältigkeit persönlicher Erwartungen und sozialer Normen der Spiegel vorgehalten. Die Serie ist eine Hommage an die menschliche Würde, die die Schritte des langen, teilweise steinigen Weges der Selbst-Erkennung mit einem hoffnungsvollen Blick beleuchtet. Es ist ein Wegweiser, geboren aus einem fantastischen zwischenmenschlichen Experiment in Richtung der eigenen und der kollektiven, selbstbestimmten Identität.

Johanna Rübel wiederum lädt professionelle Kunst(hochschul)modelle zu Porträtaufnahmen zu sich in Studio:

 Series “Lifemodels”, 2014: After moving from London to Berlin in 2008 I decided to pick up life drawing which I had enjoyed while at college. I started going to a friday evening class. There is a tea break when everyone has a chat, but apart from that it’s a quiet affair. Everyone is concentrated and lost in their thoughts. This year I decided to ask my favourite life models to my studio to photograph them.
Im Lichthof sind die Arbeiten von regionalen Fotograf*innen zu sehen die sich dem Thema Aktfotografie von ganz unterschiedlichen Richtungen nähern. Die Positionen wurden von Mitgliedern des Fotoforums vorgestellt.
Birgit Ittershagen – Hammer präsentierte die Arbeiten von Kirsten Mann:

 

Heute Abend habe ich das große Vergnügen, ich Ihnen zwei Fotografen mit ausgewählten fotografischen Arbeiten vorstellen zu können. Bei meinen Gesprächen mit beiden habe ich viele Gemeinsamkeiten festgestellt, obwohl beide Fotografen aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Das finde ich besonders spannend.

Die Fotografien

Die S/W-Fotografien von Kirsten Mann sind minimalistisch, sie spielt gekonnt mit dem Licht und Schatten und lässt Körper-Landschaften entstehen. Bei ihren Aktenaufnahmen geht es um Wertschätzung um „die Huldigung des menschlichen Körpers“ wie sie es ausdrückt. Dabei ist ihr Ästhetik und Schönheit besonders wichtig, sie möchte den Genuss des Nacktseins fotografisch einfangen. Sie arbeitet gern im Detail und setzt das Licht gezielt, um Formen und Figuren zu erschaffen. Für sie ist der menschliche Körper etwas Schützenswertes, was sie mit dem reduzierten Einsatz von Licht zum Ausdruck bringt. Deshalb arbeitet sie mit großer Vorliebe im Atelier, wo sie alle Möglichkeiten hat, mit Licht und Schatten zu spielen.

Bei den hier ausgestellten Fotografien geht Kirsten Mann noch ein ganzes Stück weiter. Während des Auswahlprozesses zu dieser Ausstellung wird ihr klar, dass sie den ganzen Prozess von der Aufnahme über die Entwicklung bis zur Hand-Vergrößerung in ihrer Hand haben möchte. Sie wollte von Anfang bis Ende analog arbeiten, deshalb wählte sie S/W-Negative aus, die sie im eigenen Labor vergrößert hat.

Sie sagt:“ Wenn ich Negative selbst vergrößere, haben die Fotos einen anderen Charakter eine andere Bedeutung für mich. Der Prozess der entwickelt sich, er ist lebendig, wenn ich ihn selbst in der Hand habe.“ Das kann ich ein sehr gut verstehen und ich glaube, diese Lebendigkeit in ihren Vergrößerungen auch zu erkennen.

Die Menschen, die Kirsten Mann fotografiert, sind Leute von der Straße, die zu ihr ins Atelier kommen. Für sie auch immer wieder eine besondere Herausforderung, die Balance zu finden zwischen ihren künstlerischen Anspruch und dem Wunsch des Kunden. Bei Aktaufnahmen bedeutet das für sie, ein noch sensiblerer Umgang mit den Menschen. Die Kunst – in kurzer Zeit, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der Fotograf und Model eine Beziehung aufbauen können. Und am Ende professionelle Ergebnisse entstehen, die ihrem künstlerischen Anspruch genügen und dem Wunsch des Models entsprechen. Eine große Kunst – finde ich.

Die Fotografin

Kirsten Mann, Jahrgang 1964 hatte bereits als Kind erste Kontakte mit der Fotografie, als sie ihrem Vater im Heimlabor beim Vergrößern über die Schulter schaute. Sie arbeitete in einer Fotografie-AG in der Schule, erste fotografische Erfolgserlebnisse feierte Kirsten mit ihrer ersten eigenen Kamera einer Penti. Wie die aussah, kann sie ihnen gleich selbst erzählen.

Es folgte eine Ausbildung zur Fotografin, aus in dieser Zeit kennen wir uns. 1991 schloss sie ihre Meister- Ausbildung ab. In den 90er-Jahren hat sie auf verschiedenen fotografischen Gebieten in einigen Fotoateliers in Dresden gearbeitet oder bevor sie 1998 ihr eigenes Fotoatelier „Lichtbild“ in der Dresdner Neustadt eröffnete. Schnell hatte sie sich einen Namen als Porträt- und Dokumentarfotografin aufgebaut, weil ihre Aufnahmen sehr lebendig – wie zufällige Schnappschüsse wirken. Das Authentische hat viele ihrer Kunden sofort angesprochen.

Neben ihrer Arbeit als Porträt-Fotografin, gab es in ihrem Atelier er auch eine Ladengalerie, in der sie wechselnde Ausstellungen mit interessanten Fotografen organisierte, ein Highlight war die Ausstellung des tschechischen Fotografen Jan Saudek – bekannt für seine S/W Aktaufnahmen.

Mit Aktfotografie beschäftigt sich Kirsten Mann seit Beginn der 2000er Jahre. Zu Beginn noch rein analog später natürlich auch digital wobei sie die Erleichterungen der digitalen Fotografie sehr schnell schätzen lernte, insbesondere keine zeitraubende Retusche mehr. In dieser Zeit waren die Leute sehr aufgeschlossen und die Aktfotografie sehr gefragt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert und Kirsten ist der Meinung, dass Aktfotografie im privaten Bereich aktuell weniger gefragt ist. Stellt sich mir die Frage – warum eigentlich?

Kirsten lebt ihre Passion, lebendige und authentische Aufnahmen von Menschen für Menschen zu kreieren, die diese intensive, schöpferische Arbeit wertschätzen können. Kommen Sie mit ihr ins Gespräch.

und Matthias Naumann:

Gitarren und andere Zupf-Instrumente hingen an der Wand, ein überbordendes Bücherregal fiel mir auf als ich Matthias Naumann kürzlich besuchte. Erst mein zweiter Blick fiel auf den Schreibtisch mit zwei großen Bildschirmen, die vermuten ließen, dass hier nicht nur ein Musiker, sondern auch ein Fotograf zu Hause ist. Ein privilegierter Fotograf, der nicht von seiner Arbeit leben muss, gute Voraussetzungen also für künstlerisch anspruchsvolle Fotografie.

Die Fotografien

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs meint Matthias: „Das was ich mache, ist eigentlich keine Aktfotografie. Bei mir steht die Geschichte im Vordergrund. Ich baue den Körper in die Bildkompositionen ein, ich möchte ihn in Beziehung setzen.“ Der nackte Körper ist unmittelbarer, für ihn die natürlichste Daseinsweise.

Die Fotografien, die Matthias Naumann für diese Ausstellung ausgewählt hat, erzählen eigene Geschichten, denen das gleiche Thema zugrunde liegt.
Dezent eingesetzte Gegenstände, Spiegel oder Schatten unterstützen seine Bildsprache genauso wie der sinnliche Text das Thema der Geschichten bereichert. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, tauchen sie einfach selbst in seine Bildkompositionen ein.

Seine Aufnahmen entstehen digital, entscheidend ist für ihn das Bildergebnis und nicht, wie er dahin gekommen ist. Nur selten arbeitete er noch analog, wenn im Mittelformat, dann greift er zu seiner Rolleiflex, aktuell ist die analoge Fotografie für ihn eher Liebhaberei.

Seine Modelle kennt er meist schon länger, ihm ist es wichtig, dass vor dem Fotografieren eine Beziehung da ist, er will vor den Aufnahmen ins Gespräch kommen. Seine Fotografien sind keine Auftragswerke, er schätzt die Freiheit, sich ganz auf seine künstlerische Ausdrucksweise konzentrieren zu können. Seine Bilder entstehen häufig in der Natur oder in der natürlichen Umgebung der Modelle und ab und zu nutzt er auch das Atelier für seine fotografischen Arbeiten. Natürlichkeit ist ihm wichtig, sowohl bei der Auswahl seiner Modelle, die sich ganz natürlich zeigen wollen, als auch beim Licht, das nie im Vordergrund steht, sondern nur ergänzend wirkt. Seine Arrangements dienen als Untermalung der zu erzählenden Geschichte.

Der Fotograf

Matthias Naumann, Jahrgang 1957, verheiratet, Kinder, Enkel… lebt in Dresden und arbeitet als Sozialpädagoge. Er fotografiert auf seinen Reisen durch Europa, Nordafrika, Nepal und Nord-und Südamerika. Die eingefangenen Eindrücke zeigte er in verschiedenen Reiselichtbilder-Vorträgen. Sein Interesse an der Fotografie hat er beim Paddeln auf Marokko entdeckt. Seit dem Jahr 2000 beschäftigte er sich ernsthaft mit der Fotografie. Seine erste Kamera war eine Canon SLR, mit der er hauptsächlich Farb- Diafilme belichtete, die er zu Reiseberichten verarbeitete.

Etwas später, als die Qualität der Digital-Fotografie gut genug war, wechselte er von analog auf digital, um den Prozess besser beeinflussen zu können. Noch etwas später erweiterte er sein fotografisches Profil und wendete sich intensiv der Porträt- und Aktfotografie zu. Ihn interessieren die möglichen und unmöglichen Geschichten hinter den Gesichtern. Veröffentlicht wurden seine Bilder in verschiedenen Personal- und Gemeinschaftsausstellungen sowie in Büchern und Zeitschriften.

Beide von mir vorgestellten Fotografen freuen sich, dass es noch Orte wie die Blaue Fabrik in Dresden gibt, die sich bewusst dem Thema Aktfotografie widmet und Fotografen die Möglichkeit gibt, ihre Aufnahmen ausstellen zu können.

Ich durfte die Arbeiten von Steffen Drache präsentieren, der sich seit vielen Jahren kontinuierlich mit ästhetischer Aktfotografie auf hohem technischen Niveau beschäftigt. Die sechs Arbeiten in dieser Ausstellung sind in den letzten beiden Jahren auf Reisen oder on location entstanden. Die digital aufgenommenen Arbeiten wurden nur sehr behutsam nachbearbeitet so das Diese nie ihren natürlichen, fast naturalistischen Eindruck verlieren. Einem Trend zur Slow Photography folgend arbeitet Steffen derzeit verstärkt mit einer 4×5 Plattenkamera, um weiter zur Essenz des Mediums vorzudringen.

Matthias Naumanns Credo: Ein Bild gehört an die Wand war meine Vorlage bei der Präsentation der vierten Wand des Lichthofs. Hier versammeln sich in einer Installation auf elektronischen Bilderahmen sechs Positionen aus dem Internetportal STRKNG, deren Schöpfer als Herkunft Sachsen und als Thema Nude angegeben haben. Die Präsentationsform greift viele Aspekte unserer typischen Bildrezeption auf. Brilliante selbstleuchtende Bilder, die auf kleinformatigen Bildschirmen durch wischen gewechselt werden und für uns nicht mehr wahrzunehmen sind wenn die Stromversorgung abbricht … lasst Euch inspirieren, besucht die Ausstellung bis zum 22.05. (Mi & Fr 15-18 Uhr) und kommt zum fotografischen Salon #NAKED am 20.03. 19 Uhr um den Diskurs zu vertiefen.

analogfotografs guide to digital cameras

SD14 und D700 sind meine Digitalwahl!

Wenn Rechenleistung & Netznutzung nichts mehr kostet kann durch den Einsatz künstlicher Intelligenz mit einem Smartphone jedes gewünschte Bild erzeugt werden. Damit kann jeder, der 2020 mehr als € 100 für ein Handy ausgibt, alle Bildwelten in jeder gewünschten Auflösung erzeugen. Bislang galt vielleicht eine Einschränkung die jeder kennt, der schon mal ‘ne Sportveranstaltung oder Tiere in freier Wildbahn per Handy fotografieren wollte: ordentliche Teleobjektive lassen sich aufgrund Ihrer Bautiefe nicht integrieren! Doch seit der Monddebatte 2019 wo HUAWAI vorgeworfen wurde, bei Mondfotografie mit dem P30 einfach einen “Idealmond” für diesen Zeitpunkt, Ort und Aufnahmewinkel aus der Datenbank einzublenden scheint auch die Lösung der Teleproblematik nur noch eine Frage der Zeit zu sein. HUAWAI gibt immerhin zu, dass es im AI (artificial intelligence) Modus inzwischen 1300 Szenarios erkennt und entsprechend bei der Bildoptimierung anwendet.

Zu welchen Digitalkameras rät also ein passionierter Analogfotograf?
Auf der Startseite findet Ihr mein Plädoyer für Kameras mit FOVEON Sensor, die aber immer seltener zu bekommen sind, üblicherweise geringe ISO Leistung bringen und schwache interne Bildprozessoren bieten und somit fast ausnahmslos RAW Fotografie und spätere Optimierung am Computer erwarten. Neben der von mir genutzten SIGMA SD14 sind die SIGMA SD1 Merill, die SDquatttro und die Festbrennweitenkameras der SIGMA DP Serie zu nennen. Insbesondere die überragenden Möglichkeiten der Infrarotfotografie mit diesen Kameras sollten hier noch mal heraus gestellt werden. Leider hat SIGMA bis heute keinen 24x36mm FOVEON Vollformatsensor präsentiert, diesen aber erneut für 2020 angekündigt.

Warum eigentlich Vollformat? Hier spielt unsere Prägung durch Leicabilder der letzten hundert Jahre eine wichtige Rolle die praktisch von allen wichtigen Herstellern übernommen wurde und ein schier unendlichen Ozean an geeigneten Objektiven bietet. Es gibt sicher Streit darüber, welche Vollformat Digitalkamera die analogste ist. Aber die auch von mir genutzte NIKON D700 gehört definitiv dazu wie folgende Facebook Posts eindrücklich zeigen:

Die Begründung ist sicher immer subjektiv aber es gibt auch harte Fakten die bei der Betrachtung wichtig sind. Die D700 verwendet einen speziellen Toshiba Sensor mit einer Tontrennungsalgorythmus, der unserem Auge nachempfunden ist und nicht durch eine KI gesteuert ist (die 2008 auch noch nicht verfügbar war). Auf dieser Basis erzeugt der Expeed Bildprozessor .jpgs ,die meist ohne Nachbearbeitung (fast wie ein Dia) verwendet werden können. Ein weiterer Vorteil scheint die große Pixelfläche von je 8,5 Mikometern zu sein, die zu (nur) 12 MP Bildgesamtgröße führt, aber seit 10 Jahren ist bekannt und nachgewiesen, dass unser Auge nur ca 6MP bei der Betrachtung einem Gesamtbilds war nimmt. Für mich persönlich ist auch das vergleichbare Handling zu einer F90x und der vorhandene Nikon Objektivpark entscheidend, mit dem die D700 ohne Probleme klar kommt.

Wie sieht es nun mit den derzeit populären Kameras der Fuji X Reihe aus. Ohne dass ich je ernsthaft mit einer derartigen Kamera fotografierte, sollte man konstatieren, dass Liebhaber einer analogen Haptik (die Kameras liegen gut in der Hand und haben alle Bedienelemente am richtigen Fleck ) und eines filmartigen Bildergebnisses in dieser Produktreihe ein passendes Gerät finden. Zu bedenken ist jedoch, dass dies Ergebnis einer komplexen KI gesteuerten Berechnung ist wie auf der entsprechenden Produktbeschreibung eines Händlers zu lesen ist:

  “Der X Prozessor 4 ist auch in der Lage, komplexe Bildverarbeitungsaufgaben wie FUJIFILMs einzigartigen „Color Chrome“-Effekt und die neuen „Schwarzweiß-Einstellungen“ sofort zu verarbeiten. Bei dieser Einstellung, die auf FUJIFILMs Farbwiedergabe-Technologie basiert, werden die Farbtonalitäten „warmes Schwarz“ und „kaltes Schwarz“ originalgetreu digital reproduziert. Diese Funktion ist sowohl im Standardmodus „Schwarzweiß“ als auch im Modus „ACROS“ verfügbar.”

In der letzten Zeile kommt zum Ausdruck dass Fuji hier die Profile seiner analogen Filme zu Grunde legt … spannend eigentlich … aber sollte man sich da nicht lieber gleich einen NEOPAN ARCOS 100 Film kaufen und in die Kleinbildkamera einlegen… ach ja den hat Fuji ja leider eingestellt 🙁

FOTOFORUM mit eigenen Räumen!

PUROBEACH 2006-2018 (Pigmentdruck 111x124cm)

Unser hier schon mehrfach erwähnte Verein Forum für zeitgenössische Fotografie Dresden e.V. hat es im vierten Jahr seines Engagements für die Vernetzung der Dresdner Akteure jetzt geschafft dieses, bislang an verschiedenen Orten der Stadt verteilte, Wirken zu bündeln. Mit der ehemaligen Galerie Antonstadt gibt es nun einen Anlaufpunkt im Herzen der Neustadt, der in den kommenden Monaten mit Leben gefüllt werden soll. Davon werde ich sicher immer mal wieder berichten! Los geht es am kommenden Samstag, wo alle Mitglieder aufgerufen waren, sich für die Ausstellung FORUM und FREUNDE ein fotografisches Pendant ausserhalb des Vereins zu suchen und Bild/Serienpaare zu bilden die mit einander in Austausch treten. Ich freue mich hier Robert Gommlich gewonnen zu haben seine freie Arbeit BAROCKTICUM 2005-2019 in einer spannenden Art und Weise erstmals zu präsentieren. Zu meinem Beitrag PUROBEACH 2006-2019 kann man im Ausstellungsheft folgendes lesen:

Die zwanzig Fotografien der Serie PUROBEACH entstanden an fünf Tagen (je eine Reihe zu vier Bildern) am Ort eines zwischen 2006 und 2018 existierenden Sommerclubs an der Elbe unweit des Neustädter Hafens. 2006 überraschte mich diese Art Beachclub, die so gar nicht zu (meinem) Dresden passte. Mit Freunden besuchten wir das Eröffnungswochenende und fanden uns ab da für 13 Jahre mitten in der Stadt in einem vollkommen anderen Lebensgefühl wieder. Im Sommer 2018 verschwand dieser spezielle Ort binnen weniger Tage (zwischen Reihe 2 und 3 liegen nur wenige Tage!) und wenige Wochen später waren die physischen Überbleibsel sortenrein aufgehäuft (Reihe 4). Im Herbst 2019 bahnt sich nun der Beton der schönen neuen Wohn- und Geschäftswelt der Hafencity seinen Weg (Reihe 5). Was von dem Sommerabend bleibt sind (Erinnerungs-)Bilder. Die Serie wurde mit Nikon F3, Lumia 550 und Nikon D700 aufgenommen und wird auf einem Pigmentprint 111 x 124 cm präsentiert. Als Analogfotograf.de treibt mich schon viele Jahre die Frage um, ob ein solches beliebig reproduzierbares Abbild einer fotografischen Aufnahme überhaupt den Namen Fotografie tragen sollte. Dies ist eins der Themen, denen ich im neuen Fotoforum gern nachgehen möchte.

Kommt gern am Samstag  ab 19 Uhr in die Kamenzer Str. 19 und macht Euch ein eigenes Bild von der vielfältigen Ausstellung unserer Vereinsmitglieder und deren Freunde!

Der vollanaloge Nahseher 5.0

Dreigenerationeinterview mit dem Nahseher 5.0 beim “Da-Da-Ist es das Kunstkaufhaus” am 13.12.19 in der blauenFABRIK

Seit einigen Jahren experimentierte ich ja mit der Idee des NAHSEHERS herum… einer ortsgebundenen audiovisuellen Erfahrungen die auf dem Prinzip des bebilderten Interviews basiert. Die Idee entstammt ursprünglich dem Bilderradioprojekt (welches in diesem Jahr 20jähriges Domainjubiläum feierte HORAY!) und als alternatives Konzept zum ubiquitären und die meisten Sinne vereinnahmenden FERNSEHER gedacht war. Damals war nichtlineares Fernsehen (Mediatheken und Youtube) und Streaming in annehmbarer Qualität noch Zukunftsmusik. 2019 ist die Herausforderung eine ganz andere: audiovisuelle Inhalte zu erzeugen, die nicht auf dem Weg von der dargestellten Realität zur Wahrnehmung durch unsere Sinne in Binärcode verwandelt, und damit reproduzierbar, speicherbar und duplizierbar werden, ist fast unmöglich. In diesem Projekt entstehen Polaroidbilder die mit Originaltonbändern mit persönlichen Statements der dargestellten Person kombiniert werden. Diese Unikate können dann nur im Nahseher vor Ort betrachtet werden. Wenn das Tonband Schaden nimmt, oder das Polaroid durch unsachgemäße Lagerung verbleicht … bleibt nur die Erinnerung … anderenfalls kann das Album mit den Bildern durch Einlegen der Tonbänder (ohne Wissen um Dateiformate und Codecs) auf jeder Vierspurbandmaschine mit 9,5cm/sek. zum visuellen Bilderlebniss die passende Tonspur starten. … falls jemand eine Idee für einen noch authentischeren Nahseher hat … gern hier kommentieren.

beschriftetes ORWO Studioband mit Nahseheraufzeichungen vom 13.12.

Mittelformatdiaprojekte “Switch Panorama” & “PC Nude”

Wundertüte bei parablau

Seit ich mit der Mamiya RZ67 unterwegs bin frage ich mich:
Was könnte man eigentlich mit 6×7 DIAs anfangen?
Ein geeigneter Projektor ist unbezahlbar…  und wer will eigentlich zu so einem Diavortrag kommen? Seid es kein Ilforchromematerial mehr gibt, kann man auch keine “lichtbasierten” Vergrößerungen von den DIAs mehr erstellen. Als Fuji dann 2017 den FP-100 Trennbildfilm eingestellt hat, war die Frage nach den kreativen Möglichkeiten nun erneut virulent! Die Einzigartigkeit eines Diapositivs und die 4fach größere Fläche gegenüber dem Kleinbild ergibt ein Lichtbild, welches ohne technische Hilfsmittel vom Menschen wahrgenommen werden kann. Wenn man die Fläche durch die Nutzung zweier Bilder  noch verdoppelt kommt man auf ansehnliche Bildformate von 6x15cm. Die Serie Switch Panorama (2017 in Osttirol aufgenommen) war das erste Ergebnis dieses Ansatzes. Der ein klassisches (Berg-)Panorama erwartende Betrachter wird zweifach um die Ecke geführt.
Zum Einen wird das von einem Standpunkt erfassbare Bergidyll der vom gleichen Standpunkt aus sichtbaren menschveränderten Bergwelt gegenüber gestellt.  Zum Anderen muss man genau schauen um zu erkennen dass die scheinbar unabhängigen Bilder an den Aussenrändern einen Anschluss haben und so ein Panorama bilden. Ein Teil der Serie wurde im Oktober 2019 erstmals zur Wundertüte bei Parablau gezeigt. Zur Benefitzauktion des Fotoforums Dresden am 07.12.19. kommt Innerwillgraten I mit einem Aufrufpreis von 120€ unter den Hammer.

Wie geht es weiter?
In den letzten Monaten hat der Trend zur Selbstzensur von Aktfotografie nicht nur im Netz weiter zugenommen. Dies zeigt sich in den Veränderungen der hochgeladenen Sujets auf Portalen wie STRKNG und den spärlichen Einreichungen von Aktfotografien bei aktuellen Wettbewerben. Ich würde das Thema gern provokant diskutieren und freue mich auf das nun startende Projekt PC Nude welches erneut in Mittelformatdiatechnik Unikate (6 x 23cm) schaffen wird!