#NAKED Ausstellung in der blauenFABRIK

Am vergangenen Freitag eröffnete bei parablau die diesjährige Gemeinschafts-Akt-Ausstellung von PORTRAITS, dem FOTOFORUM und STR(i)K(i)NG in den Ausstellungsräumen der Blauen Fabrik (Eisenbahnstr.1, 01097 DD). Erneut durfte ich die Gesamtkonzeption übernehmen und somit auch den Spagat zwischen den 5 (+6) verschiedenen Positionen aushalten, was wieder viel Freude bereitete. Wie im vergangenen Jahr werden im Projektraum Arbeiten von Künstlerinnen aus dem PORTRAITS Wettbewerb gezeigt. Unter dem Hashtag NAKED kommen hier zwei Serien zur Ausstellung, deren Aktfotos nicht als Ziel sondern als Resultat einer Beschäftigung mit der Thematik Körperlichkeit entstanden, wie Martin Morgenstern ausführte. Charlotte Ernst schreibt über Ihr Projekt:

Der Weg des Qhapac Ñan (Mexiko 2019) kann als tiefgreifende ethnografische Studie verstanden werden, die die rituellen Heilprozesse der New Age Generation mit dem Peyote-Kaktus erforscht. Das Projekt entstand im Kontext einer dreimonatigen Pilgerfahrt durch die  Wirikuta Wüste im Nordwesten Mexikos. Hier ist der psychoaktive Kaktus beheimatet, welcher seit Jahrtausenden vom Stamm der Wixárika-Indigenen als heilige Medizin konsumiert wird. Die Bilder – zum großen Teil weibliche Aktfotografien – zeigen sowohl Momente der Begegnung als auch Augenblicke der Abgeschiedenheit. Sie hinterfragen in teilhabender Beobachtung die vorherrschenden sozialen Konventionen und Anschauungen der westlichen Mainstream-Gesellschaft, die noch immer fruchtbaren Grund für Strukturen der Ungleichheit und Diskriminierung bieten. Durch die Verletzlichkeit des nackten menschlichen Körpers wird der Zwiespältigkeit persönlicher Erwartungen und sozialer Normen der Spiegel vorgehalten. Die Serie ist eine Hommage an die menschliche Würde, die die Schritte des langen, teilweise steinigen Weges der Selbst-Erkennung mit einem hoffnungsvollen Blick beleuchtet. Es ist ein Wegweiser, geboren aus einem fantastischen zwischenmenschlichen Experiment in Richtung der eigenen und der kollektiven, selbstbestimmten Identität.

Johanna Rübel wiederum lädt professionelle Kunst(hochschul)modelle zu Porträtaufnahmen zu sich in Studio:

 Series “Lifemodels”, 2014: After moving from London to Berlin in 2008 I decided to pick up life drawing which I had enjoyed while at college. I started going to a friday evening class. There is a tea break when everyone has a chat, but apart from that it’s a quiet affair. Everyone is concentrated and lost in their thoughts. This year I decided to ask my favourite life models to my studio to photograph them.
Im Lichthof sind die Arbeiten von regionalen Fotograf*innen zu sehen die sich dem Thema Aktfotografie von ganz unterschiedlichen Richtungen nähern. Die Positionen wurden von Mitgliedern des Fotoforums vorgestellt.
Birgit Ittershagen – Hammer präsentierte die Arbeiten von Kirsten Mann:

 

Heute Abend habe ich das große Vergnügen, ich Ihnen zwei Fotografen mit ausgewählten fotografischen Arbeiten vorstellen zu können. Bei meinen Gesprächen mit beiden habe ich viele Gemeinsamkeiten festgestellt, obwohl beide Fotografen aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Das finde ich besonders spannend.

Die Fotografien

Die S/W-Fotografien von Kirsten Mann sind minimalistisch, sie spielt gekonnt mit dem Licht und Schatten und lässt Körper-Landschaften entstehen. Bei ihren Aktenaufnahmen geht es um Wertschätzung um „die Huldigung des menschlichen Körpers“ wie sie es ausdrückt. Dabei ist ihr Ästhetik und Schönheit besonders wichtig, sie möchte den Genuss des Nacktseins fotografisch einfangen. Sie arbeitet gern im Detail und setzt das Licht gezielt, um Formen und Figuren zu erschaffen. Für sie ist der menschliche Körper etwas Schützenswertes, was sie mit dem reduzierten Einsatz von Licht zum Ausdruck bringt. Deshalb arbeitet sie mit großer Vorliebe im Atelier, wo sie alle Möglichkeiten hat, mit Licht und Schatten zu spielen.

Bei den hier ausgestellten Fotografien geht Kirsten Mann noch ein ganzes Stück weiter. Während des Auswahlprozesses zu dieser Ausstellung wird ihr klar, dass sie den ganzen Prozess von der Aufnahme über die Entwicklung bis zur Hand-Vergrößerung in ihrer Hand haben möchte. Sie wollte von Anfang bis Ende analog arbeiten, deshalb wählte sie S/W-Negative aus, die sie im eigenen Labor vergrößert hat.

Sie sagt:“ Wenn ich Negative selbst vergrößere, haben die Fotos einen anderen Charakter eine andere Bedeutung für mich. Der Prozess der entwickelt sich, er ist lebendig, wenn ich ihn selbst in der Hand habe.“ Das kann ich ein sehr gut verstehen und ich glaube, diese Lebendigkeit in ihren Vergrößerungen auch zu erkennen.

Die Menschen, die Kirsten Mann fotografiert, sind Leute von der Straße, die zu ihr ins Atelier kommen. Für sie auch immer wieder eine besondere Herausforderung, die Balance zu finden zwischen ihren künstlerischen Anspruch und dem Wunsch des Kunden. Bei Aktaufnahmen bedeutet das für sie, ein noch sensiblerer Umgang mit den Menschen. Die Kunst – in kurzer Zeit, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der Fotograf und Model eine Beziehung aufbauen können. Und am Ende professionelle Ergebnisse entstehen, die ihrem künstlerischen Anspruch genügen und dem Wunsch des Models entsprechen. Eine große Kunst – finde ich.

Die Fotografin

Kirsten Mann, Jahrgang 1964 hatte bereits als Kind erste Kontakte mit der Fotografie, als sie ihrem Vater im Heimlabor beim Vergrößern über die Schulter schaute. Sie arbeitete in einer Fotografie-AG in der Schule, erste fotografische Erfolgserlebnisse feierte Kirsten mit ihrer ersten eigenen Kamera einer Penti. Wie die aussah, kann sie ihnen gleich selbst erzählen.

Es folgte eine Ausbildung zur Fotografin, aus in dieser Zeit kennen wir uns. 1991 schloss sie ihre Meister- Ausbildung ab. In den 90er-Jahren hat sie auf verschiedenen fotografischen Gebieten in einigen Fotoateliers in Dresden gearbeitet oder bevor sie 1998 ihr eigenes Fotoatelier „Lichtbild“ in der Dresdner Neustadt eröffnete. Schnell hatte sie sich einen Namen als Porträt- und Dokumentarfotografin aufgebaut, weil ihre Aufnahmen sehr lebendig – wie zufällige Schnappschüsse wirken. Das Authentische hat viele ihrer Kunden sofort angesprochen.

Neben ihrer Arbeit als Porträt-Fotografin, gab es in ihrem Atelier er auch eine Ladengalerie, in der sie wechselnde Ausstellungen mit interessanten Fotografen organisierte, ein Highlight war die Ausstellung des tschechischen Fotografen Jan Saudek – bekannt für seine S/W Aktaufnahmen.

Mit Aktfotografie beschäftigt sich Kirsten Mann seit Beginn der 2000er Jahre. Zu Beginn noch rein analog später natürlich auch digital wobei sie die Erleichterungen der digitalen Fotografie sehr schnell schätzen lernte, insbesondere keine zeitraubende Retusche mehr. In dieser Zeit waren die Leute sehr aufgeschlossen und die Aktfotografie sehr gefragt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert und Kirsten ist der Meinung, dass Aktfotografie im privaten Bereich aktuell weniger gefragt ist. Stellt sich mir die Frage – warum eigentlich?

Kirsten lebt ihre Passion, lebendige und authentische Aufnahmen von Menschen für Menschen zu kreieren, die diese intensive, schöpferische Arbeit wertschätzen können. Kommen Sie mit ihr ins Gespräch.

und Matthias Naumann:

Gitarren und andere Zupf-Instrumente hingen an der Wand, ein überbordendes Bücherregal fiel mir auf als ich Matthias Naumann kürzlich besuchte. Erst mein zweiter Blick fiel auf den Schreibtisch mit zwei großen Bildschirmen, die vermuten ließen, dass hier nicht nur ein Musiker, sondern auch ein Fotograf zu Hause ist. Ein privilegierter Fotograf, der nicht von seiner Arbeit leben muss, gute Voraussetzungen also für künstlerisch anspruchsvolle Fotografie.

Die Fotografien

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs meint Matthias: „Das was ich mache, ist eigentlich keine Aktfotografie. Bei mir steht die Geschichte im Vordergrund. Ich baue den Körper in die Bildkompositionen ein, ich möchte ihn in Beziehung setzen.“ Der nackte Körper ist unmittelbarer, für ihn die natürlichste Daseinsweise.

Die Fotografien, die Matthias Naumann für diese Ausstellung ausgewählt hat, erzählen eigene Geschichten, denen das gleiche Thema zugrunde liegt.
Dezent eingesetzte Gegenstände, Spiegel oder Schatten unterstützen seine Bildsprache genauso wie der sinnliche Text das Thema der Geschichten bereichert. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, tauchen sie einfach selbst in seine Bildkompositionen ein.

Seine Aufnahmen entstehen digital, entscheidend ist für ihn das Bildergebnis und nicht, wie er dahin gekommen ist. Nur selten arbeitete er noch analog, wenn im Mittelformat, dann greift er zu seiner Rolleiflex, aktuell ist die analoge Fotografie für ihn eher Liebhaberei.

Seine Modelle kennt er meist schon länger, ihm ist es wichtig, dass vor dem Fotografieren eine Beziehung da ist, er will vor den Aufnahmen ins Gespräch kommen. Seine Fotografien sind keine Auftragswerke, er schätzt die Freiheit, sich ganz auf seine künstlerische Ausdrucksweise konzentrieren zu können. Seine Bilder entstehen häufig in der Natur oder in der natürlichen Umgebung der Modelle und ab und zu nutzt er auch das Atelier für seine fotografischen Arbeiten. Natürlichkeit ist ihm wichtig, sowohl bei der Auswahl seiner Modelle, die sich ganz natürlich zeigen wollen, als auch beim Licht, das nie im Vordergrund steht, sondern nur ergänzend wirkt. Seine Arrangements dienen als Untermalung der zu erzählenden Geschichte.

Der Fotograf

Matthias Naumann, Jahrgang 1957, verheiratet, Kinder, Enkel… lebt in Dresden und arbeitet als Sozialpädagoge. Er fotografiert auf seinen Reisen durch Europa, Nordafrika, Nepal und Nord-und Südamerika. Die eingefangenen Eindrücke zeigte er in verschiedenen Reiselichtbilder-Vorträgen. Sein Interesse an der Fotografie hat er beim Paddeln auf Marokko entdeckt. Seit dem Jahr 2000 beschäftigte er sich ernsthaft mit der Fotografie. Seine erste Kamera war eine Canon SLR, mit der er hauptsächlich Farb- Diafilme belichtete, die er zu Reiseberichten verarbeitete.

Etwas später, als die Qualität der Digital-Fotografie gut genug war, wechselte er von analog auf digital, um den Prozess besser beeinflussen zu können. Noch etwas später erweiterte er sein fotografisches Profil und wendete sich intensiv der Porträt- und Aktfotografie zu. Ihn interessieren die möglichen und unmöglichen Geschichten hinter den Gesichtern. Veröffentlicht wurden seine Bilder in verschiedenen Personal- und Gemeinschaftsausstellungen sowie in Büchern und Zeitschriften.

Beide von mir vorgestellten Fotografen freuen sich, dass es noch Orte wie die Blaue Fabrik in Dresden gibt, die sich bewusst dem Thema Aktfotografie widmet und Fotografen die Möglichkeit gibt, ihre Aufnahmen ausstellen zu können.

Ich durfte die Arbeiten von Steffen Drache präsentieren, der sich seit vielen Jahren kontinuierlich mit ästhetischer Aktfotografie auf hohem technischen Niveau beschäftigt. Die sechs Arbeiten in dieser Ausstellung sind in den letzten beiden Jahren auf Reisen oder on location entstanden. Die digital aufgenommenen Arbeiten wurden nur sehr behutsam nachbearbeitet so das Diese nie ihren natürlichen, fast naturalistischen Eindruck verlieren. Einem Trend zur Slow Photography folgend arbeitet Steffen derzeit verstärkt mit einer 4×5 Plattenkamera, um weiter zur Essenz des Mediums vorzudringen.

Matthias Naumanns Credo: Ein Bild gehört an die Wand war meine Vorlage bei der Präsentation der vierten Wand des Lichthofs. Hier versammeln sich in einer Installation auf elektronischen Bilderahmen sechs Positionen aus dem Internetportal STRKNG, deren Schöpfer als Herkunft Sachsen und als Thema Nude angegeben haben. Die Präsentationsform greift viele Aspekte unserer typischen Bildrezeption auf. Brilliante selbstleuchtende Bilder, die auf kleinformatigen Bildschirmen durch wischen gewechselt werden und für uns nicht mehr wahrzunehmen sind wenn die Stromversorgung abbricht … lasst Euch inspirieren, besucht die Ausstellung bis zum 22.05. (Mi & Fr 15-18 Uhr) und kommt zum fotografischen Salon #NAKED am 20.03. 19 Uhr um den Diskurs zu vertiefen.

Intervention: „reality check“ bei AKT2019!

Mein letzter Beitrag diskutierte ich die heute zu Ende gegangene Ausstellung in der blauenFABRIK. Beim OpenArtSpace zu Ostern entstanden zwei Arbeiten die heute zur Finissage einmalig zu sehen waren:

Installation im Projektraum : reality check I:

Die Serie Look at me von Matthias Schneege zeigt Körperporträts von Frauen, deren Porträtdarstellung erst durch eine Aktfotografie vollständig wird, da ihr Körper durch Tattoos, Piercings und zum Teil Implantaten eine erweiterte Identität erhielt. Was aber ist mit Menschen, die sich eher durch ihre Bewegungen und Handlungen ausdrücken? Benötigen diese auch einen erweiterten Porträtbegriff? Gemeinsam mit einer Pole Dancerin wird dies hier fotografisch erörtert. Dabei wurde der High End Technik der Ausstellung durch die Benutzung von überlagertem Rollfilm (mit sehr niedrigen Kontrasten) und einer vignetierten Ausbelichtung bewusst ein Look entgegen gesetzt, der in der aktuellen Bilderwelt durch angesagte Vintagefilter digital erzeugt wird, jedoch die meisten analogen Alltagsbilder bis vor 20 Jahren prägte.

Installation im Lichthof: reality check II:

Ein metallischer Kubus bildet die Basis der Installation. In drei Silbergelantineabzügen vom Kleinbildfilm (30x40cm) setzt sich der Fotograf mit den Ausstellungswänden auseinander.

  • unhide zeigt den Fotografen vor Hidden Faces und fragt, warum Männer oft nur bereit sind, nackt zu modeln, wenn das Gesicht verdeckt ist, wie die Autorin der Arbeiten Astrid Susanna Schulz zur Vernissage erläuterte.

 

  • mirror spielt mit dem Hauptbild von Anna Försterling und spielt mit dem Kopfkino welches entsteht, wenn Ausstellungsbilder plötzlich zu realen Situationen werden.

 

 

  • move nimmt die Frage aus reality check I mit zu den Bildern von Butow Romey der bewusst auf Momentaufnahmen die es technisch überhaupt nicht gibt verzichtet, sondern die notwendigen Belichtungszeiten nutzt, um Geschichten zu erzählen.

 

Vom Kubus zieht sich eine Stoffbahn genau an der Stelle zur Decke, wo zum Open Art Space am 19.04. eine Pole Dance Stange stand und an der die hierauf zu sehenden Bilder entstanden sind die in Multiblitztechnik die Essenz dieses Sportes einzufangen suchen.

Der Kubus wird gekrönt vom vergoldeten iMacG3 (Patrice Funke) der vor 20 Jahren den Heimcomputer zur Bilderbetrachtemaschine Nr.: 1 gemacht hat. Hier läuft auch die Arbeit aus dem Jahr 2016 „Digitalisierung killt die Aktfotografie auf Papier“

 und wer sich traut die obere Tür des Kubus  zu öffnen wird überrascht …

 

Aktfotografie wird weiblicher und monochrom

In den letzten Monaten hatte ich wenig Zeit, hier zu schreiben.  Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass ich die aktuell in der blauenFABRIK gezeigte Ausstellung vorbereitet und zu deren Eröffnung am 05. April für das Dresdner Fotoforum den 17. fotografischen Salon organisiert habe. Der hohe Zuspruch zu dieser Veranstaltung zeigte, dass das Genre Aktfotografie weiterhin eine wichtige Rolle spielt aber durchaus neue Aspekte in den Mittelpunkt rücken. Fünf Positionen (vier regionale aus dem STRiKiNG Portal und ein PORTRAITS-Hellerau Satellit wurden an diesem Abend durch fünf Kuratoren vorgestellt. Bemerkenswert waren für mich folgende Aspekte:

  • Es fotografieren (oder veröffentlichen?) verstärkt Frauen im Genre Akt,
  • Monochrome Lichtbilder sind eher die Regel als die Ausnahme,
  • Nacktheit im Bild ergibt sich oft aus dem Sujet und ist nicht vordergründig intendiert,
  • In einer körperschmuckaffinen Generation bedarf es eines Körperporträts, um den fotografierte Menschen seiner Ganzheit darzustellen.

Diesen letzten Punkt griff Birgit Ittershagen-Hammer in Ihrer Laudatio zur Ausstellung von Matthias Schneege direkt auf:

Körper- Porträts in denen es … nicht um erotische Aktfotografie geht, sondern um die Persönlichkeit ganz unmittelbar. Deshalb arbeitet er auch mit reduzierten Mitteln. Er verzichtet – bis auf wenige Ausnahmen – auf Farbigkeit, er verzichtet auf Lichteffekte, er konzentriert sich in seinen fotografischen Aufnahmen auf das Wesentliche. Auf den Körper als Porträt, auf den Körper als Spiegel der Persönlichkeit. Die hier gezeigte Serie hatte lange keinen Namen, er entstand aus der Ansprache der, oft internationalen Models – look at me – schau zu mir in die Kamera. Mir gefällt dieser Titel als Reflexion, zum einen dieses in die Kamera schauen und zum anderen dieses gesehen werden wollen der jungen Frauen, ganz selbstbewusst – schau mich an. Die Einfachheit, der verwendeten fotografischen Mitteln unterstreicht für mich diese Aussage in besonderem Maß.

An den Arbeiten des von mir gewählten Künstlers Butow Romey faszinierten mich insbesondere die Aspekte:

  • klassisches Kleinbildformat im Seitenverhältnis von 2:3, präsentiert in einer fototypischen Printgröße 20×30 cm (ja, man darf etwas näher treten!)
  • die Begrenzung auf die vom Motiv vorgegebenen Kontraste (ja, nicht jede Situation schöpft den vollen Kontrastumfang von Schwarz bis Weiß aus) und
  • das Spielen mit langen Belichtungszeiten, die Lichtbilder jenseits unserer durch Blitz (oder KI) eingefrorenen & überschärften Konsumbilderwelten des Alltags ermöglichen.

Der einzige Vermutstropfen der Ausstellung liegt für mich als Analogenthusiast wohl vor allem darin, dass alle an den Galeriewänden hängenden Bilder Pigmentprints sind und keine fotografischen Abzüge im eigentlichen kulturtechnischen Sinn.

Dieser Beitrag enthält bis zum Abschluss der Ausstellungszeit keine Bilder, da diese bis zum 03.05. immer Mittwoch bis Freitag 16 bis 18 Uhr an den Wänden der Galerie zu sehen sind.  (parablau in der blauenFabrik | Eisenbahnstr. 1 | 01097 Dresden)

Ausstellung brachland noch bis 02.07. in Pirna

Impressionen von der Vernissage vor zwei Wochen

pirna_bild

Ich bin mit der Installation Digitales Brachland vs. Belebter Sandstein beteiligt!

Die Ausstellung endet mit einer Finissage zum Tag der Kunst in Pirna! Das Uniwerk veröffentlichte folgende Einladung:

ab 11.oo Uhr Ausstellung geöffnet
15.oo Uhr Poetische Bühne mit Constance Böckmann, Carla Schwiegk und Marvin Neidhardt
16.oo Uhr Poetische Bühne mit Gregor Kunz und Uwe Hübner
18.oo Uhr Kühle Getränke und anregende Gespräche bei guter Musik vom Plattenteller – Ausklang TdK
20.3o Uhr Finissage BRACHLAND mit Livemusik
21.3o Uhr interaktive Performance „Waldmeisterschattenbar“ von Georg Knobloch, Conny Köckritz und Echofreak

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all unseren Freunden, Förderen und Sponsoren, der Stadt Pirna, unseren tollen Nachbarn sowie allen, die das BRACHLAND bearbeitet haben!

Ab 8.4. in Berlin Der Nahseher in der Galerie Vinogradov

In der kommenden Woche stellen 8 Künstler der Ausstellungsreihe parablau gemeinsam in der Galerie Vinogradov in Berlin aus. Ich werde auf dem Nahseher 2.0 einen Querschnitt analoger Aktfotografien der vergangenen 15 Jahre zeigen. Dieser Beitrag steht im Kontext meiner Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Genre der Aktfotografie, die sich weiter verändern wird.

Spannend zu verfolgen finde ich zum Beispiel diesen Ansatz (Huffington Post)

Die Belebung klassischer Motive als neue Kunstform

Die Belebung klassischer Motive als neue Kunstform

Kalenderverkauf Sandsteinakt

In diesem Jahr hat sich endlich die Chance ergeben, drei Leidenschaften in einem Kalender: SANDSTEINAKT 2016 zu verknüpfen.

  1. Die Liebe zur sächsischen Felsenlandschaft und der Kletterei
  2. Die Lust, der Schönheit des menschlichen Körpers immer neue Facetten in der Fotografie abzugewinnen und
  3. spezielle fotografische Technologien zu erkunden.

Kalender Sandsteinakt 2016Mit den Fotosessions rund um Bastei und Babarine erscheinen bekannte Landschaften im neuen infraroten Licht. Ohne den hohen Einsatz der kletternden Modelle hätte das ganze Projekt nicht gelingen können! Vielen Dank!
Die Printedition ist auf 50 signierte Exemplare im Format 13×21 cm limitiert und ist an folgenden Orten zum Preis von € 25,-€ erhältlich:

  • in der Galerie www.kunstunderos.de auf der Hauptstr. 15 in Dresden-Neustadt
  • Während der öffnungzeiten der temporären Galerie parablau im Einkaufszentrum am Albertplatz oder
  • per Kontaktformular auf dieser Seite (Postversand zzgl. € 3,-)

Experiment blaue Stunde ist gelungen …

…aber wie immer im Leben mit Luft nach oben!

Georg Knobloch

Georg Knoblochs Ausstellungsergänzung

Das Format parablaus blaue stunde bot die kurzfristige Chance mit Dresdner Aktfotografen ins Gespräch zu ihrem aktuellen Schaffen und der Zukunft des Mediums zu kommen. Dass das Interesse da ist, zeigt beispielsweise wie viele der angeschriebenen Fotografen bedauerten, am Vorabend des ersten Advents leider schon verplant zu sein. Dass ein Teil meiner Hypothese: Die Digitalisierung killt die Aktfotografie zutrifft, tritt in weiteren Absagebegründungen zu Tage: „Ich habe keine großen Prints“ oder „Ich habe nichts zum projizieren, da alles im Netz zu sehen ist“ Am Ende beteiligten sich Hainer Michael und Matthias Naumann aktiv an diesem Experiment und sicher noch der eine oder andere Fotograf passiv im Publikum. Alle drei Vorträge einte, dass sich alle Beteiligten als aktive Amateure bereits über 10 Jahre mit dem Medium beschäftigen, Ausstellungserfahrung mitbringen und das Genre Akt für lebendig halten. Unterschiede bestehen natürlich im künstlerischen Ausdruck und in den technisch-gestalterischen Ansätzen.

Hainer Michael im Gespräch

Hainer Michael im Gespräch

Hainer Michael wählte für sein präsentiertes Ausstellungsprojekt das Thema Weiblichkeit, wobei es Ihm darum geht bei jedem Model die Schönheit ihres Körpers individuell herauszuarbeiten. Dabei arbeitet er digital im kleinen Studio überwiegend mit Frauen die erstmals vor der Kamera stehen.

 

 

Matthias Naumanns Ausstellungsergänzung

Matthias Naumanns Ausstellungsergänzung

Matthias Naumann stellte seine Präsentation unter den Titel Beziehungen. So zeigen seine Bilder oft mehrere Personen beider Geschlechter bzw. die gleiche Person in Beziehung mit Dingen/Orten bzw. in Form von Doppelbelichtungen mit sich selbst. Er hat vor einigen Jahren dem Studio den Rücken gekehrt und arbeitet nun digital vor Ort oder in der Natur.

 

Ich stellte meine aktuellen Arbeitsweisen: analoge und infrarote Aufnahmen, gekoppelt mit speziellen chemischen Ausarbeitungsverfahren (z.B. Cyanotypien) in den Mittelpunkt. Dabei ging es mir darum zu zeigen, dass in einer ansonsten cleanen Digitalwelt das Unbestimmte die Schönheit ausmacht, die man vorher nicht planen kann. Konkret stellte ich die Jahresprojekte vor, die sich in den Kalendereditionen manifestieren (aktuell: SANDSTEINAKT 2016 in Infrarot). Danach gab ich Einblick in das Langzeitprojekt Nur eine Rolle. Hier spreche ich Frauen an, die in den vergangenen 20 Jahren schon eimal für mich Modell gestanden haben und bitte diese noch einmal mit diesen alten Bildern in Beziehung zu treten. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum trat zu Tage dass Onlineverbreitung von Bildern vor allem ein Thema der Persönlichkeitsrechte darstellt die die Streetfotografie nicht minder betrifft als die Aktfotografie. Hainer Michael brachte es mit den Worten auf den Punkt „Wenn du alle Regelungen einhalten willst, müsstest Du Deine Kamera sofort wegschmeißen“

Am Ende des Abends möchte ich meine bereits am 30.10. auf: Die digitale Vernetzung killt das Aktfoto abgeschwächte Eingangshypothese zu Die digitale Verbreitung und die damit verbundene Gefahr der Verletzung von Persönlichkeitsrechten macht es Menschenbildern in der Kunstfotografie gerade schwer weiterentwickeln…dies sollte Ausgangspunkt für ein weiteres Podium sein!

facebookdiskussion vom Oktober zum Thema

facebookdiskussion vom Oktober zum Thema

28.11. parablau läd zur blauen Stunde – AKTFOTOGRAFIE

bs_webIm Rahmen der am Montag eröffnenden Ausstellung: {parablau} ist mal nebenan öffnet am 28.11. der Open Art Space – Aktfotogafie. Hierzu sind alle Fotografen und Interessierte eingeladen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Ausstellung, Screenings und das abschließende Podium werden die Möglichkeit geben, sich mit den aktuellen Trends und Positionen des Mediums auseinandersetzten. Das OPEN Format ist hierbei wörtlich gemeint. Bislang gibt es zum Rahmen keinen Inhalt. Jeder kann sich einbringen und keine Meinung ist unerwünscht oder kein Beitrag zu klein ganz im Sinne von Picassos:
Wenn ich wüsste, dass es Kunst ist würde ich es für mich behalten“ 
Die Spielregeln:
  • AUSSTELLUNG 18-22 Uhr zu besichtigen. Aufbau ab 17 Uhr. Der Ausstellungsraum bietet verschiedene Bereiche, die durch weitere Bilder ergänzt werden können. Die Bilder müssen leg- oder stellbar mitgebracht werden da wenige Hängungsmöglichkeiten vorhanden sind. 22 Uhr muss die Ausstellung wieder abgebaut sein.
  • SCREENINGS 19-21 Uhr. 8 aktuelle Positionen der Aktfotografie werden in der Ausstellungsecke von analogfotograf vorgestellt. (DIA oder Beamer 1024×768 (VGA/DVI) stehen zur Verfügung. Jeder Fotograf bekommt 15min aktuelle Arbeiten vorzustellen) Anmeldungen laufen über dieses Kontaktformular und alle Beiträge werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Sollten es mehr Interessenten geben gibt es eine Warteliste.
  • PODIUM 21-22 Uhr. Als Gastgeber freue ich mich auf Diskutanten, die sich mit meiner Hypothese: Killt die Digitalisierung die Aktfotografie?  auseinandersetzten wollen. Hierbei freue ich mich auf Zusendung einer kurzen Position und den Hinweis ob die Meinung eine Privatmeinung, Institutionsmeinung oder wissenschaftliche Position ist.

Bitte teilt dieses Angebot in Eueren Netzwerken und überlegt schnell, ob Ihr bei diesem Experiment dabei sein wollt!

Killt die Digitalisierung die Aktfotografie?

Irgendwie schwante es mir schon seit ein paar Jahren und nun wird es immer deutlicher. Ein wichtiges Kunstgenre der Menschheit erfährt seine nächste Evolution. Nach einem Boom in den 1990er Jahren wo Darstellungen, die in weiten Teilen der Welt als pornografisch galten, die Galerien und Kunsthallen füllten begann sich zur Jahrtausendwende  der unbekleidete Körper aus der zeitgenössischen Hochkunst zu verabschieden. Dafür wird der, zu dieser Zeit einsetzende, Internetboom in Privathaushalten zu einem beachtlichen Teil auf die Verfügbarkeit von erotischem Bildmaterial zurückgeführt. Für den Fotografen stellten sich jetzt Fragen:

  • Was will ich mit meinen Bildern noch aussagen und
  • was will ich im Betrachter evozieren und
  • wie präsentiere ich die Ergebnisse, damit diese sich nicht im Netz verselbständigen.

Jetzt, 10 Jahre später, bietet sich folgendes Bild: Das Netz ist voll von Bildersammlungen jeder Qualität, jedoch sieht man nahezu keinen Akt mehr ausgestellt an einer Galeriewand oder in Bildbänden, die in normalen Buchhandlungen angeboten werden. Einen konsequenten, diesen Text letztendlich herausfordernden, Schritt ging der US Playboy, der ab dem kommenden März keine Aktfotostrecken mehr veröffentlicht:

„Heute reicht ein Mausklick, um sich jeden nur vorstellbaren sexuellen Akt im Internet herunterzuladen“, Scott Flanders CEO Playboy

Marilyn Monroe im ersten Playboy 1953

Marilyn Monroe im ersten Playboy 1953

Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind die Fragen die nicht nicht nur ein Model an mich als Fotografen stellte: „Können wir auch ein paar Bilder wie im Playboy machen?“ Damit hat das Medium offensichtlich eine Bildästhetik geprägt, die vielen Menschen als angenehm und schön gilt. Durch die Digitalisierung unseres Bildkonsums wurde möglicherweise etwas intimes, inspirierendes der Beliebigkeit geopfert oder aus Angst vor Blosstellung gleich gar nicht mehr in den individuellen Möglichkeitsrahmen der Ausdrucksformen von Fotografen und deren Modellen aufgenommen. Ich bin gespannt auf die nächsten Jahre!

25.09. 19:00 PRIEßNIXEN Reloaded

Eine interaktive Projektion mit Analogfotografien von 2011 und 8 variablen Tonkanälen. (im Rahmen des Neustadt Art Festivals 2015)

Erste Cyanotypie!

Erste Cyanotypie!

Vor vier Jahren suchte der Analogfotograf Georg Knobloch nach den sagenumwobenen Wesen entlang Dresdens zweitwichtigster Wasserader. 22 Bilder gelangten im Herbst 2011 an die Öffentlichkeit des an der Prießnitz gelegenen Gasthauses Oostende. Über hundert weitere Bilder des Zyklusses wurden bisher nicht öffentlich gezeigt. Mit PRIEßNIXEN Reloaded gibt es am 25.09. die einmalige Chance, diese Bilder am Ufer der Prießnitz zu sehen. Die Performance beginnt mit dem Entwicklen von Cyanotypien im Wasser der Prießnitz. In der anschließenen Videoperformance wird ein 16minütiger Loop aller Fotos mit einer vom Betrachter individuell zusammenzustellenden Soundcollage kombiniert. So wie die Bilder analog erzeugt worden sind, sind auch die Töne diskret auf MiniDisc gebannt oder werden live erzeugt. Auf den verschiedenen Tonkanälen finden sich neben Geräuschen von der Quelle bis zur Mündung, der Originaleinführungstext der Ausstellung, Wissenswertes über den Fluss, zeitgenössische Interpretationen von Händels Wassermusik und Smetanas Moldau. Je nach Geschmack lassen sich die Livetöne des Flusses oder live eingespielte Instrumente dazu mischen und durch einen Effektkanal verfremden.

analoges Panoramabild mit Horizont 202 (2014)

analoges Panoramabild vom Veranstaltungsort mit Horizont 202 (2014)