Seit 2019 feierte das Fotoforum jährlich im Herbst das Medium DIA Positiv (Slide Reversal Film) mit einer „langen Nacht“ die Bilderschauen, Installation und Diskurse miteinander verband. 2025 zeigte sich, dass viele der bisherigen Mitwirkende endgültig nicht mehr mit dem Medium arbeiten und auch Anfragen in entsprechenden landes- bzw weltweiten Onlinecommunities wie „die analoge Fotografie lebt“ oder „Slide Film Photography“ ohne Antwort verhallten. Daher luden wir für den 25.10.25 zum Salon: „ist das Dia so tot wie es gerade scheint?“ dessen Erkenntnisse ich kurz zusammen fassen möchte.
- Es gibt nun noch einen Diafilm im Handel: Kodak Ektachrome E100 (ca32€)
- Altes Filmmaterial ist ohne Test nicht zu verwenden. ich kaufe daher immer Großpackungen mit mehreren Filmen um dann mit einem zu testen, wie dieser bezüglich Farbverschiebung und Empfindlichkeit reagiert (Aktuell habe ich Agfa CT100 (03/2006) Filme, die bei kontrastreichen Motiven und einer Überbelichtung von einer Stufe gute Ergebnisse in eher warmen Tönen bringen.)
- Bei den meisten Menschen fehlt es zudem an funktionierenden Projektoren. Nur so kann das Dia seine Vorzüge über ein Negativ oder einem Digitalbild auszuspielen. Die Einrichtung eines kinoartigen Saals für Bilderschauen wird der Bequemlickeit/Flexibilität eines vorhandenen in hoher Auflösung/Kontrast arbeitenden Fernseher (HD/4k) geopfert.
- Der im Kunstkontext betrachtetet Aspekt des Unikats kann das Kleinbilddia auf Grund seiner geringen Größe 24x36mm nicht wie das Polaroid (min 90x90mm) ausspielen, da eine physisch, haptische Benutzung/Betrachtung des Gegenstands Dia im Rahmen nie für die Betrachtung ohne technisches Hilfsmittel gedacht war … vielleicht gilt der Kunstwert irgendwann einmal für kuratierte, sortierte & signierte Serien von Installationen oder von Künstlern, die anderweitig bereits einen Namen haben.
Für die weitere Beschäftigung mit dem Dia sprechen 2025:
- Ungehobene Schätze „Das Privatarchiv der zweiten Hälfte des 20. JH“ „Ostdeutschland/Osteuropa privat und in Farbe“ sowie Originalaufnahmen von (nun z.T.) ikonischen Medien oder Werbeproduktionen aus Nachlässen (hier kamen gestern eine sehr private 40 Jahre nicht gesehene Reiseserie und ein sozialistischer Propaganda DIATonvortrag mit Begleitext zur Aufführung)
- Die Möglichkeit der Langzeitarchivierung auf physischem Datenträgen (kein je aufgenommenes, gut entwickeltes und gelagertes Dia hat bislang seinen Inhalt verloren und bleibt eine scanbare Vorlage mit einer Auflösung von bis zu 48MP.)
- Lebende Technikgeschichte für Folgegeneration in einer immer mehr von virtuellen Erlebnissen geprägten Welt der nach 2000 geborenen Menschen. Hier war es die Faszination junger Kunsthochschüler, die (am Rande der einer Ausstellungseröffnung einer Kommilitonin in der Nachbargalerie) mit der nur noch aus dem Hörensagen bekannten Technik konfrontiert und fasziniert wurden.
- Supergünstige Film Entwicklung dm/cewe bietet (Stand heute) die E6 Entwicklung eines Kleinbilddiafilms zu 2,95€ inklusive 4MP Scans der Bilder! Damit steht bei Vorhandensein einer analogen Kamera und eines DIA Films dem nächsten fotografischen Abenteuer nichts im Weg!
Der gestrige ForumsAbend mit seinen Bildeindrücken und der rege Austausch führte dazu, dass sich 3 Mitglieder des Fotoforums entschieden, auch im Herbst 2026 wieder einen Diaabend zu organisieren.